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Wenn Zeit kostbar wird: die Geschichte hinter Fifth Season und Heaven can’t wait

Manche Bilder entstehen aus einer Idee. Diese beiden Serien entstanden aus dem Leben selbst – aus Sorge, aus geschenkter Zeit und aus dem Entschluss, sie zu feiern.

Großformatiges Gemälde aus der Serie Fifth Season von Juliane Golbs in Gold und warmen Tönen in einem Wohnraum

Fifth Season und Heaven can’t wait gehören zu den persönlichsten Arbeiten der Hamburger Künstlerin Juliane Golbs. Sie erzählen von Zeit, die nicht selbstverständlich ist, und von dem Entschluss, sie mit Licht zu füllen.

Dieser Beitrag erzählt die Geschichte beider Serien, ordnet ihre Motive ein und zeigt, wie man die Bilder lesen kann: von weitem als Farbraum, aus der Nähe als Gewebe aus Spuren.

Fifth Season: die Jahreszeit, die es nicht gibt

Der Titel spielt auf eine fünfte Jahreszeit an. Im deutschen Sprachgebrauch ist der Ausdruck besetzt: So nennt man den Karneval, der am 11. November um 11:11 Uhr beginnt und am Aschermittwoch endet. Für ein paar Wochen gelten andere Regeln, der Alltag tritt zurück, das Leben wird lauter.

Juliane Golbs nimmt das Wort und verschiebt seine Bedeutung. Ihre fünfte Jahreszeit ist leise. Es ist Zeit, die man geschenkt bekommt. Die Serie Fifth Season ist aus einer existenziellen Erfahrung hervorgegangen: aus der Sorge um das Leben der eigenen Tochter und aus der unerwarteten Verlängerung der gemeinsamen Zeit.

Gemeinsam ist beiden Bedeutungen nur eines: Die fünfte Jahreszeit steht außerhalb des Kalenders. Sie folgt nicht dem gewohnten Lauf von Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Sie ist eine Ausnahme, und genau deshalb zählt sie.

In dieser Serie wird Vergänglichkeit zur Bedingung von Nähe. Was endlich ist, wird kostbar. Was kostbar ist, verlangt Aufmerksamkeit. Das Licht in diesen Werken ist ruhig, die Freude leise.

Man könnte es so sagen: Fifth Season ist eine Einladung, dem Leben mit Wärme, Klarheit und Dankbarkeit zu begegnen. Leichtigkeit wird hier zu einer bewussten, fast ethischen Entscheidung.

Ausstellung 2024 und die zweite Windspiel-Edition

2024 präsentierte Juliane Golbs die Serie in der Ausstellung „Fifth Season“ in Hamburg, im Ausstellungsverzeichnis ihrer digitalen Galerie unter MUMA Gallery geführt. Dort wurde auch die zweite limitierte Gin-Edition der Windspiel Manufaktur vorgestellt, für die sie das Etikett gestaltet hatte: ein Premium Dry Gin Pistacchio mit 37,5 Prozent, leichter als die erste Edition und für den Sommer gedacht. Die Schrift auf dem Etikett ist in Gold geprägt.

Die erste Zusammenarbeit von 2021 war auf 999 Flaschen limitiert und binnen weniger Tage vergriffen. Dass die Manufaktur die Kooperation erneuerte, sagt etwas über die Wirkung dieser Bildsprache. Windspiel-Gründerin Sandra Wimmeler lobte damals ausdrücklich „die Leichtigkeit und Vielschichtigkeit ihrer Arbeiten“. Beides beschreibt Fifth Season ziemlich genau.

Heaven can’t wait: die Verdichtung

Heaven can’t wait ist die Fortsetzung von Fifth Season und zugleich ihre Verdichtung. Die Arbeiten sind komplexer und vielschichtiger. Sie stehen dem Zeichnerischen näher: Linien, Sprünge, Stiftspuren und Kratzer treten deutlicher hervor.

Einige dieser Spuren hat ihre Tochter gesetzt. Die Bilder werden damit zu gemeinsamen Werken. Sie tragen unzählige Momente in sich, die zwei Menschen miteinander geteilt haben. Jede Linie ist ein Beleg für gelebte Zeit, die sich nicht in Zahlen ausdrücken lässt.

Der Titel ist Programm. Heaven can’t wait – oder, wie die Künstlerin es umdeutet: Der Himmel kann warten. Diese Bilder suchen keine Erlösung. Sie bezeugen ein Glück, das jetzt stattfindet.

In der digitalen Galerie ist die Fortsetzung unter dem Titel „Fifth Season #heaven can wait“ geführt. Ein Beispiel ist das Werk 09 | 2026: Acryl und Buntstifte auf Leinwand, 150 × 200 cm, in Rosa, Türkis, Grün und Gelb. Die Werkbeschreibung spricht von einer Kaskade aus Farbe, in der sich Blüten formen und wieder auflösen. Der Buntstift ist dabei kein Detail am Rand. Er ist das Werkzeug der Kindheit, und in einem Bild dieser Größe wirkt jede Stiftlinie wie eine Handschrift, die man nicht übermalen wollte.

Juliane Golbs sitzt im Schneidersitz mit einer Zeitung vor einem großformatigen pinkfarbenen Gemälde voller kleiner Blüten
Ein florales Hochformat in Pink: Blüten, die sich zu einem Schleier verdichten und nach unten verlaufen.

Blüten gegen die Vergänglichkeit: ein alter Gedanke

Blüten in einem Bild über geschenkte Zeit sind kein Zufall. Die Malerei hat Blumen schon lange als Zeichen der Vergänglichkeit eingesetzt. In den Stillleben des 17. Jahrhunderts standen Blüten in verschiedenen Stadien, von der Knospe bis zur welkenden Blüte, für die Flüchtigkeit des Irdischen. Man nannte solche Bilder Vanitas-Darstellungen.

Zugleich steckt in den gemalten Sträußen ein Gegengedanke. Das Kunsthistorische Museum Wien beschreibt am Beispiel eines Blumenstraußes von Jan Brueghel dem Älteren, um 1607, wie Malerei gerade im Bild des Vergänglichen eine Form der Ewigkeit schaffen will. Die gemalte Blüte welkt nicht.

Juliane Golbs malt keine Stillleben, und ihre Blüten sind keine Symbole, die man entschlüsseln müsste. Aber ihre Bilder stehen in dieser Spannung: Sie wissen um die Endlichkeit und halten das Blühen trotzdem fest. Die Serie Everlasting Blossoms trägt diesen Gedanken schon im Namen.

Wie man die Bilder liest

Die Werke beider Serien verlangen zwei Abstände.

Von weitem sieht man einen Farbraum. Eine Grundstimmung in Rosa, Apricot, Türkis oder Grün, durchzogen von Licht. Die Komposition ist offen, es gibt kein Zentrum, das den Blick festhält. Das Auge wandert, wie es in einem Garten wandert.

Aus der Nähe löst sich die Fläche in Spuren auf. Farbe, die mit den Fingern aufgetragen wurde. Läufe, wo die Farbe nass nach unten geflossen ist. Stiftlinien, Kratzer, kleine Inseln aus Gold. In Heaven can’t wait sind es mehr Schichten, und manche Linie gehört einer zweiten Hand.

Mit der Zeit verändert sich das Bild mit dem Licht. Goldlack und Blattgold reagieren auf den Einfallswinkel. Morgens wirkt ein Werk kühler, am Abend bei Kerzenlicht wärmer. Wer mit einem dieser Bilder lebt, sieht es selten zweimal gleich. Das passt zum Thema: Auch geschenkte Zeit ist nicht gleichförmig.

Die Farben der geschenkten Zeit

Die Palette beider Serien ist hell und warm. In den Werkangaben der digitalen Galerie tauchen immer wieder dieselben Töne auf: Rosa, Apricot, Türkis, Grün, Gelb, dazu Gold.

Rosa ist in diesen Bildern keine dekorative Farbe. Es ist die Farbe von Haut und Blüte, von etwas Lebendigem und Verletzlichem zugleich. In großen Flächen wirkt es nicht süß, sondern intensiv, fast leuchtend.

Türkis und Grün bringen Frische und Tiefe. Sie erinnern an Wasser und Laub, an etwas, das wächst. Neben dem Rosa sorgen sie dafür, dass die Bilder nicht in einer einzigen Stimmung verharren.

Gelb und Apricot sind Lichtfarben. Sie öffnen die Komposition und lassen sie atmen.

Gold schließlich liegt über allem wie eine zweite Lichtquelle. Es ist die Farbe, die nicht vergeht, und in der Geschichte der Malerei die Farbe des Kostbaren. Dass die Künstlerin es gerade in Bildern über begrenzte Zeit einsetzt, ist folgerichtig.

Die Sorge, aus der die Serien entstanden sind, steht nicht im Vordergrund. Sie ist der Grund, warum das Helle so viel Gewicht bekommt.

Wie die Werke entstehen

Technisch verbinden beide Serien, was die Malerei von Juliane Golbs ausmacht: hochpigmentierte Acrylfarben, Pastell und Kreide, mit den Fingern aufgetragene Schichten und 24-Karat-Blattgold, das Licht im Raum aufnimmt. In Heaven can’t wait kommen Buntstifte und zeichnerische Mittel hinzu, die den Bildern eine neue Unmittelbarkeit geben.

Ein Werk aus Fifth Season wie 503 | 2024 zeigt die Grundlage: Acryl und Goldlack auf Leinwand, 80 × 80 cm, in Grün, Apricot, Blau und Rosa. Das quadratische Format nimmt dem Bild jede Richtung. Es ist weder Landschaft noch Porträt, sondern ein Ausschnitt, der in alle Seiten weiterzugehen scheint.

Das Gold hat in beiden Serien eine besondere Bedeutung. Es steht für das, was bleibt. Mehr zur Technik im Beitrag Blattgold in der Malerei.

Formate und Räume

Die Serien umfassen sehr unterschiedliche Größen, von quadratischen Arbeiten um 80 × 80 cm bis zu großen Leinwänden wie 150 × 200 cm. Das hat Folgen für den Raum.

Ein quadratisches Format braucht wenig Wand und viel Ruhe drumherum. Es wirkt über einer Kommode, in einem Flur oder als Paar nebeneinander.

Ein Großformat verändert einen Raum. Über einem Sofa oder Kamin wird es zum Mittelpunkt, an dem sich Möbel und Licht ausrichten. Die Faustregel vieler Einrichter, ein Bild solle etwa zwei Drittel der Breite des Möbels darunter einnehmen, ist ein Anfang. Am Ende entscheidet das Gefühl vor Ort.

Visualisierung eines Wohnraums mit Marmorkamin, darüber ein gerahmtes Hochformat von Juliane Golbs mit Goldgrund
Visualisierung: So wirkt ein großes Hochformat über einem Kamin. Gezeigt ist ein Hamburg-Motiv mit Goldgrund.

Wer unsicher ist, kann ein Werk vorab zur Probe hängen lassen. Gegen einen kleinen Aufpreis kommt das Bild ins eigene Zuhause. Wird es gekauft, wird dieser Betrag verrechnet. Mehr dazu im Beitrag Abstrakte Kunst kaufen in Hamburg.

Warum diese Bilder so viele Menschen berühren

Viele Menschen kennen eine solche fünfte Jahreszeit aus dem eigenen Leben. Zeit mit einem Menschen, die man beinahe verloren hätte. Momente, die erst im Rückblick ihr ganzes Gewicht zeigen. Die Werke von Fifth Season und Heaven can’t wait sprechen diese Erfahrung aus, ohne sie auszubuchstabieren.

Sie sind deshalb besonders für Räume geeignet, in denen gelebt wird: für ein Wohnzimmer, in dem Familie zusammenkommt, für einen Ort, an dem man morgens den ersten Kaffee trinkt und abends zur Ruhe kommt.

Verbindung zur NCL-Stiftung

Die Erfahrungen, aus denen diese Serien entstanden sind, erklären auch das Engagement der Künstlerin für die NCL-Stiftung, die die Forschung zur Kinderdemenz fördert. Der Beitrag Kunst, die Verantwortung trägt erzählt davon.

Die Werke sehen

Ausgewählte Werke beider Serien sind in der digitalen Galerie zu sehen, mit Maßen, Technik und Farben zu jedem Werk. Wer ein Original aus der Nähe erleben möchte, kann das Atelier in Hamburg nach Vereinbarung besuchen. Anfragen zu einzelnen Werken laufen über das Kontaktformular.

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Häufige Fragen

Was bedeutet der Titel Fifth Season?

Fifth Season, die fünfte Jahreszeit, steht bei Juliane Golbs für geschenkte Zeit: Zeit, die man nicht erwartet hat und die deshalb besonders kostbar ist. Die Serie entstand aus der Sorge um das Leben ihrer Tochter.

Worin unterscheidet sich Heaven can’t wait von Fifth Season?

Heaven can’t wait ist die Fortsetzung und Verdichtung von Fifth Season. Die Werke sind vielschichtiger und zeichnerischer, mit Linien, Stiftspuren und Kratzern, von denen einige ihre Tochter gesetzt hat.

Welche Formate gibt es in den Serien?

Die Serien reichen von quadratischen Formaten wie 80 × 80 cm bis zu großen Leinwänden wie 150 × 200 cm. Verfügbare Werke und Maße nennt die digitale Galerie oder das Atelier auf Anfrage.

Quellen

5 Quellen
  1. about-drinks: Windspiel präsentiert Art Edition mit Juliane Golbs (13.06.2024)
  2. Goethe-Institut: Karneval in Deutschland – die fünfte Jahreszeit
  3. Kunsthistorisches Museum Wien: Wider die Vergänglichkeit (Jan Brueghel d. Ä., Kleiner Blumenstrauß)
  4. Lernhelfer: Stilllebenmalerei im Barock
  5. Juliane Golbs, digitale Galerie: Serie Fifth Season