Juliane Golbs – die Künstlerin, die mit Gold und Farbe vom Leben erzählt
Ein Porträt der Malerin, die Romantik und expressive Linie verbindet, mit 24-Karat-Blattgold arbeitet und Kunst als Haltung zum Leben versteht.

Vor einem Bild von Juliane Golbs bemerkt man zuerst die Wärme der Farbe. Dann die Spuren der Hand. Und wenn man den Kopf ein wenig neigt, das Gold, das je nach Blickwinkel heller oder dunkler wird. Die Frage, wie das gemacht ist, kommt erst danach.
Dieses Porträt versucht, beides zu beantworten: wer die Künstlerin ist und warum ihre Arbeit in Hamburg und weit darüber hinaus Resonanz findet. Es beschreibt ihre Herkunft, ihre Arbeitsweise im Atelier, die Serien, die Stationen der letzten Jahre und den Weg, auf dem man einem ihrer Werke persönlich begegnen kann.
Von Schwerin nach Hamburg
Juliane Golbs wurde in Schwerin geboren. Mit 18 Jahren zog sie nach Hamburg, das seitdem ihre Wahlheimat ist. Die beiden Städte haben mehr gemeinsam, als man zunächst denkt: Beide sind vom Wasser bestimmt, beide von einem Licht, das sich mit dem Wetter in Minuten ändert. In Schwerin sind es die Seen rund um das Schloss, in Hamburg Alster und Elbe.
Dass sie Künstlerin werden wollte, stand früh fest. Ihr Vater bestärkte sie darin. Das Gastronomie-Journal erzählt, er habe ihr irgendwann die Sprühdosen gegen Leinwand und Farben getauscht, damit sie nicht länger fremde Wände bemalt. Die Sprühfarbe ist geblieben. Sie gehört bis heute zu ihren Werkzeugen, nur eben auf der Leinwand.
In Hamburg fand sie den Raum, den eine Malerin braucht: eine Stadt, die Kunst schätzt, ohne viel Aufhebens davon zu machen. Mehr darüber, wie die Stadt in ihre Bilder hineinwirkt, beschreibt der Beitrag Künstlerin in Hamburg.
Eine Malerin zwischen Intellekt und Intuition
Juliane Golbs hat Kunst und Philosophie studiert. Man merkt ihren Bildern diese doppelte Herkunft an. Sie sind spontan im Auftrag und zugleich gedacht in ihrer Haltung. Die Philosophie liefert die Frage, die Malerei die Antwort, die sich nicht in Sätze fassen lässt.
Ihre Bildsprache verbindet zwei Traditionen, die selten zusammenfinden: das Romantische mit seinen Blüten, seinem Licht und seiner Zärtlichkeit, und das Expressive mit seinen Linien, Brüchen und Spuren. Ihre Bilder wollen berühren. Sie stellen sich bewusst gegen den Zynismus und zeigen das Leben als etwas Schönes und Volles. Golbs selbst nennt ihre Kunst eine Hommage an das Dasein.
Zu ihren Anregungen zählt sie den Himmel, Architektur und die Farben, die die Sonne im Lauf eines Tages annimmt. So beschrieb es die Barlach Halle K zu ihrer Ausstellung im Dezember 2021. Dort findet sich auch ein Satz, der ihre Haltung gut zusammenfasst: „Glück ist die Summe von tausenden kleinen Fabelhaftigkeiten.“
Wer mehr über diese Haltung erfahren möchte, findet sie im Atelier am deutlichsten: Golbs will mit Kunst nicht provozieren. Sie sieht darin einen Garten für die Seele.

Die Handschrift: Finger, Farbe, Gold
Was die Werke von Juliane Golbs unverwechselbar macht, ist ihr Umgang mit Material. Sie arbeitet mit hochpigmentierten Acrylen, mit Pastell und Kreide, mit Lacken und Sprühfarbe. Vieles trägt sie mit den bloßen Fingern auf. Die Hand bleibt im Bild sichtbar, als Spur einer Bewegung, die nicht wiederholbar ist.
Und dann ist da das Gold. 24-Karat-Blattgold und feine Goldcremes werden Schicht für Schicht in die Malerei eingebunden. Dadurch verändert sich ein Bild mit dem Tageslicht: Am Morgen wirkt es kühl und klar, am Abend warm und fast glühend. Wie diese Technik funktioniert und warum Gold in der Kunstgeschichte nie nur Schmuck war, beschreibt der Beitrag Blattgold in der Malerei.
Wie ein Bild im Atelier entsteht
Ein Werk von Juliane Golbs entsteht nicht in einem Zug. Es wächst in Schichten, die einander überlagern und manchmal wieder verschwinden. Vereinfacht lassen sich vier Phasen unterscheiden.
Der Grund. Am Anfang steht die leere Fläche, für Golbs ein Ort, an dem jedes Werk von vorn beginnt. Die ersten Farbfelder legen die Temperatur des Bildes fest: ein warmes Apricot, ein tiefes Blau, ein gedämpftes Rosé. Sie sind später oft nur noch an den Rändern zu sehen, tragen aber die Stimmung.
Die Bewegung. Dann kommen Linie und Geste. Hier arbeitet sie schnell und körperlich, mit Fingern, Pinsel, Kreide und Sprühdose. Farbläufe dürfen stehen bleiben, wo sie dem Bild Tiefe geben. In dieser Phase entstehen die Spuren, die man später aus der Nähe erkennt.
Die Verdichtung. Auf die Geste folgt die Geduld. Blütenformen werden herausgearbeitet, Flächen beruhigt, Kontraste gesetzt. Vieles wird übermalt. Was bleibt, hat sich gegen andere Möglichkeiten durchgesetzt.
Das Licht. Zuletzt kommen Goldcreme und Blattgold. Sie werden nicht flächig aufgelegt, sondern an Stellen, an denen das Bild Licht aufnehmen soll. Erst jetzt zeigt sich, wie es im Raum wirken wird.

Zur Arbeit mit Lacken und Sprühfarbe gehört Sorgfalt: Die Farben werden mit Atemschutz verarbeitet, und jede Schicht muss trocknen, bevor die nächste folgt. Auch das erklärt, warum ein Werk Zeit braucht. Golbs teilt diesen Prozess regelmäßig auf Instagram, wo man Bilder entstehen, sich verändern und manchmal wieder zurückgenommen sehen kann.
Die Serien: Atmosphären statt Kategorien
Juliane Golbs ordnet ihr Werk nach Atmosphären. Jede Serie hat ihren eigenen Ton:
- Heaven can’t wait – vielschichtig und zeichnerisch, mit Spuren, die auch die Tochter der Künstlerin gesetzt hat.
- Fifth Season – entstanden aus einer existenziellen Erfahrung, getragen von Licht und Dankbarkeit.
- The Signature Collection – das JG-Monogramm mit Krone, Hase und Anker als Wappen der Gegenwart.
- Golden Things – eine Studie über Gold und Reflexion.
- Everlasting Blossoms – florale Abstraktionen, die niemals welken.
Die Serien sind keine abgeschlossenen Kapitel, sondern Räume, zu denen die Künstlerin zurückkehrt. Gemeinsam ist ihnen das Vokabular: Blüte, Linie, Gold. Was sie unterscheidet, ist die Stimmung, die daraus entsteht. Wer mehrere Werke sammelt, erkennt diese Verwandtschaft mit der Zeit.
Die persönliche Geschichte hinter Fifth Season und Heaven can’t wait erzählt ein eigener Beitrag: Wenn Zeit kostbar wird.
Ausstellungen und Stationen
In Hamburg zeigte die Barlach Halle K vom 9. bis 11. Dezember 2021 eine Ausstellung mit Unikaten, vollendet mit Goldcreme, Blattgold, Acryl und Lacken. Die Ausstellung wurde anschließend als virtueller Rundgang aufbereitet, sodass man sie auch aus der Ferne besuchen konnte. 2024 präsentierte Golbs in Hamburg die Ausstellung Fifth Season, 2025 folgte die Jubiläumsausstellung im AEZ, deren Erlöse vollständig an die NCL-Stiftung gingen.
Der Weg der Künstlerin führt von Schwerin über Hamburg an die Côte d’Azur, nach Deauville und nach Venedig, an Orte, an denen Licht und Wasser die Wahrnehmung prägen.
Kooperationen: Kunst im Dialog mit Marken
Für Golbs ist die Zusammenarbeit mit Marken eine eigene künstlerische Form. Sie verlässt dafür das Atelier und malt dort, wo Menschen zusammenkommen: im Konzertsaal, in einer Kirche, auf einer Messe. Einige Stationen:
- Elbjazz Festival 2026: Im Großen Saal der Elbphilharmonie malte sie live zur Musik von Joss Stone ein großformatiges Bild der Elbphilharmonie, ein Unikat der Serie Golden Things. Es wurde zugunsten der NCL-Stiftung versteigert.
- Venice Design Week 2025: Gemeinsam mit dem Designlabel WERNS verwandelte sie eine rund 3,5 Meter hohe Hasenskulptur in der Kirche San Leonardo live in ein Kunstwerk. Die Installation wurde zum Emblem des Festivals. Mehr dazu im Beitrag Das Emblem von Venedig.
- IFA Berlin 2025: Für Roborock gestaltete sie „Hidden Garden“, einen bemalten Saugroboter als poetisches Statement über Technik im Alltag.
- Deauville 2023: Mit der Manufaktur Maison Laurette bemalte sie live Strohhüte, umgeben von klassischen Porsche-Fahrzeugen.
- Windspiel: Für die Eifeler Manufaktur gestaltete sie 2021 das Etikett eines Pistazien-Gins, limitiert auf 999 Flaschen und binnen weniger Tage ausverkauft. Weil die Nachfrage so groß war, folgte 2024 eine zweite, eigenständige Edition: ein anderer Pistazien-Gin mit weniger Alkohol, gedacht für den Sommer.
- Louis C. Jacob: Seit 2025 ist sie Artist-in-Residence im traditionsreichen Hotel an der Elbchaussee. Der Beitrag Artist-in-Residence im Louis C. Jacob beschreibt, was dort entsteht.
Allen diesen Projekten ist gemeinsam, dass das Werk vor Publikum entsteht. Live-Malerei verlangt eine andere Konzentration als die Arbeit im Atelier: Es gibt keinen zweiten Versuch, und die Zuschauer sehen jede Entscheidung. Alle Partnerschaften im Überblick finden Sie auf der Seite Dialoge.
Verantwortung als Teil der Arbeit
Seit 2018 ist Juliane Golbs Botschafterin der NCL-Stiftung, die die Erforschung der seltenen Kinderdemenz NCL fördert. Sie spendet dafür Werke, Zeit und Erlöse. Für die Stiftung entstanden Gemeinschaftswerke mit der Schwimmerin Leonie Beck und der Sängerin Joss Stone. Die Erlöse ihrer Jubiläumsausstellung im AEZ 2025 gingen vollständig an die Stiftung. Warum dieses Engagement für sie keine Nebensache ist, lesen Sie im Beitrag Kunst, die Verantwortung trägt.
Warum ihre Kunst Sammler berührt
Die Werke von Juliane Golbs sind für Räume gemacht, in denen Menschen leben. Sie verändern sich mit dem Licht des Tages. Sie halten einem Blick stand, der sich über Jahre wiederholt. Und sie erinnern daran, dass man sich für Schönheit entscheiden kann.

Gerade großformatige Arbeiten brauchen Platz zum Atmen. Eine ruhige Wand, etwas Abstand, seitliches Tageslicht: Mehr ist selten nötig. Das Gold reagiert auf jede Lichtquelle, deshalb lohnt es sich, ein Bild abends unter warmem Licht noch einmal anzusehen.
Ein Werk sehen und erwerben
Es gibt mehrere Wege, einem Werk von Juliane Golbs zu begegnen:
- Im Atelier. Das Atelier in Hamburg öffnet nach Vereinbarung für private Termine. Man sieht fertige Werke und solche, die gerade entstehen.
- Im Louis C. Jacob. Als Artist-in-Residence zeigt Golbs dort Werke in wechselnden Formaten.
- Digital. Die digitale Galerie zeigt verfügbare Originale mit Maßen und Technik.
- Zu Hause. Wer unsicher ist, ob ein Werk in den eigenen Raum passt, kann es gegen einen kleinen Aufpreis probehängen. Der Betrag wird beim Kauf verrechnet.
Hinweise für den Erwerb eines Originals gibt der Leitfaden Abstrakte Kunst kaufen. Wer ein Bild für einen bestimmten Raum wünscht, liest den Beitrag über die Auftragsarbeit. Und wer direkt anfragen möchte, erreicht das Atelier über das Kontaktformular.
Werke zum Beitrag
Häufige Fragen
Wer ist Juliane Golbs?
Juliane Golbs ist eine zeitgenössische Malerin mit Atelier in Hamburg. Sie verbindet romantische Motive mit expressiven Linien und vollendet viele Werke mit 24-Karat-Blattgold.
Wo kann man Werke von Juliane Golbs sehen?
Im Hamburger Atelier nach Vereinbarung, im Hotel Louis C. Jacob an der Elbchaussee, wo sie Artist-in-Residence ist, und in der digitalen Galerie unter art.julianegolbs.com.
Kann man Werke von Juliane Golbs kaufen?
Ja. Originale werden direkt über das Atelier vermittelt. Anfragen zu Akquisitionen und Auftragsarbeiten laufen über das Kontaktformular auf julianegolbs.com.
Welche Materialien verwendet Juliane Golbs?
Hochpigmentierte Acrylfarben, Pastell und Kreide, Lacke, Sprühfarbe sowie Goldcreme und 24-Karat-Blattgold. Viele Schichten trägt sie mit den bloßen Fingern auf.
Woher kommt Juliane Golbs?
Sie wurde in Schwerin geboren und zog mit 18 Jahren nach Hamburg, wo sie bis heute lebt und arbeitet.
Quellen
5 Quellen
- Gastronomie-Journal: Eine Hommage an das Dasein (14.09.2022)
- Barlach Halle K: Juliane Golbs (Ausstellung Dezember 2021)
- about-drinks: Windspiel präsentiert Art Edition mit Juliane Golbs (13.06.2024)
- WERNS: Venice Design Week 2025
- Tageskarte: Louis C. Jacob startet langfristige Kunst-Kooperation mit Juliane Golbs (29.09.2025)





