Abstrakte Kunst kaufen in Hamburg: ein ruhiger Leitfaden für Sammler
Ein Original zu kaufen ist eine intime Entscheidung. Dieser Leitfaden hilft, sie mit Ruhe zu treffen: mit Blick auf Material, Herkunft, Raum und das eigene Gefühl.

Wer abstrakte Kunst kaufen möchte, steht vor einer schönen und zugleich schwierigen Aufgabe. Es gibt keine Motive, an denen man sich festhalten kann, keine Geschichte, die das Bild erzählt. Es bleibt die Frage: Was macht dieses Bild mit mir? Dieser Leitfaden soll helfen, diese Frage mit Ruhe zu beantworten – und dabei die Dinge nicht zu übersehen, die ein gutes Original ausmachen: Material, Herkunft, Raum, Licht, Pflege und die nüchternen Fragen nach Steuer und Rechten, über die vor dem Kauf selten jemand spricht.
1. Mit dem Gefühl beginnen, nicht mit dem Sofa
Der häufigste Fehler beim Kunstkauf ist, ein Bild passend zur Einrichtung zu wählen. Möbel wechseln, Wandfarben auch. Ein gutes Kunstwerk begleitet einen über Jahre, oft über Umzüge hinweg. Deshalb lohnt es sich, mit einer anderen Frage zu beginnen: Welches Bild möchte ich jeden Morgen sehen?
Abstrakte Malerei wirkt direkt auf die Stimmung. Manche Bilder beruhigen, andere geben Energie, manche tun beides, je nach Tageszeit. Nehmen Sie sich Zeit, ein Werk mehrmals zu betrachten, am besten in unterschiedlichem Licht. Ein Bild, das beim ersten Blick gefällt und beim dritten langweilt, ist ein Dekorationsobjekt. Ein Bild, das beim dritten Blick etwas Neues zeigt, ist ein Kandidat.
Hilfreich ist auch die Gegenprobe: Was stört mich? Eine Farbe, die zu laut ist, eine Fläche, die leer wirkt? Wer seine Einwände benennen kann, versteht schneller, was er eigentlich sucht.
2. Original, Unikat oder Edition?
Begriffe werden im Kunsthandel nicht immer sauber verwendet. Die wichtigsten Unterschiede:
- Original / Unikat: ein von Hand geschaffenes Einzelstück. Es existiert genau einmal.
- Limitierte Edition: eine festgelegte, nummerierte Auflage, oft als Druck oder Objekt.
- Kunstdruck / Poster: eine unbegrenzte Reproduktion ohne Sammlerwert.
Bei Juliane Golbs sind die Gemälde Unikate. Viele Farbschichten trägt sie mit den Fingern auf, das Gold wird von Hand gesetzt. Kein Werk lässt sich wiederholen. Auch die Limited Editions, die in Kooperationen entstehen, sind klar als solche ausgewiesen: Die erste Art Edition mit Windspiel war 2021 auf 999 Flaschen begrenzt und nach wenigen Tagen vergriffen. Eine Edition ist ein anderes Objekt als ein Gemälde, und ein seriöser Verkauf benennt diesen Unterschied ohne Umschweife.
3. Einen Werktitel lesen
Viele Werke von Juliane Golbs tragen keinen erzählenden Titel, sondern eine Kombination aus Nummer und Jahr, etwa „503 | 2024“. Das ist bewusst zurückhaltend: Der Titel lenkt die Wahrnehmung nicht in eine Richtung, das Bild darf für sich sprechen. Für Sammler hat dieses System einen praktischen Vorteil. Werk und Entstehungsjahr sind eindeutig zugeordnet, und die Angabe auf dem Zertifikat lässt sich jederzeit mit dem Werkverzeichnis abgleichen.
Zusätzlich gehört jedes Werk einer Serie an oder steht frei. Die Serien – von Fifth Season bis zur Signature Collection – geben einen Kontext: Ein Werk aus einer Serie steht im Gespräch mit anderen Arbeiten derselben Werkphase. Einen Überblick bietet die Seite Werke.
4. Material verstehen
Das Material entscheidet über Wirkung und Haltbarkeit. Fragen Sie nach, womit ein Bild gemalt wurde. Hochwertige, hochpigmentierte Acrylfarben sind lichtbeständig und farbintensiv. Bei Gold lohnt sich der genaue Blick: Echtes 24-Karat-Blattgold läuft nicht an, Schlagmetall kann es tun. Mehr dazu im Beitrag Blattgold in der Malerei.
Auch der Bildträger zählt. Eine Leinwand auf einem stabilen Keilrahmen verzieht sich weniger, eine Malplatte ist starr und eignet sich für Arbeiten mit vielen Lackschichten. In den Angaben zu den Werken von Juliane Golbs finden sich Kombinationen wie Acryl, Acryllack und Goldlack auf Leinwand, Kreide, Buntstift oder Tusche. Jede dieser Angaben sagt etwas darüber, wie das Bild altert und wie es gepflegt werden will.
5. Herkunft und Dokumentation
Ein seriöses Original kommt mit Dokumentation. Dazu gehören:
- die Signatur der Künstlerin oder des Künstlers,
- ein Echtheitszertifikat mit Titel, Maßen, Technik und Jahr,
- eine nachvollziehbare Herkunft, also der Weg des Werkes vom Atelier zu Ihnen.
Wer direkt im Atelier kauft, hat die kürzeste und klarste Provenienz, die es geben kann. Bewahren Sie Zertifikat und Rechnung gemeinsam auf, idealerweise zusammen mit einem guten Foto des Werkes. Diese drei Dinge brauchen Sie später für die Versicherung, für einen möglichen Weiterverkauf und für Erben, die wissen sollten, was an der Wand hängt.
6. Den Raum mitdenken
Ein Bild wirkt nicht im luftleeren Raum. Achten Sie auf:
- Licht: Seitliches Tageslicht und warmes, gerichtetes Kunstlicht sind ideal. Bei Werken mit Gold verändert das Licht die Wirkung im Laufe des Tages besonders stark.
- Abstand: Große Formate brauchen Abstand, kleine laden zum Nähertreten ein. Als grobe Orientierung sollte man ein Bild aus einer Entfernung betrachten können, die etwa dem Anderthalb- bis Zweifachen seiner Diagonale entspricht.
- Höhe: Als Faustregel liegt die Bildmitte auf Augenhöhe. Häufig genannt werden 145 Zentimeter über dem Boden, in Museen hängt man oft etwas höher, bei rund 150 Zentimetern. Über einem Sofa oder Sideboard gilt: lieber 20 bis 25 Zentimeter Luft zwischen Möbel und Rahmenunterkante als ein Bild, das unter der Decke schwebt.

Ein großes Hochformat über einem einzelnen Sessel wirkt anders als dasselbe Bild über einem breiten Sofa. Das eine schafft einen Ort zum Verweilen, das andere eine Achse im Raum. Paare oder Diptychen brauchen einen gleichmäßigen, eher schmalen Abstand zwischen den Bildern, damit sie als Einheit gelesen werden.

Um Unsicherheit zu nehmen, hat Juliane Golbs eine eigene App entwickelt. Mit ihr lassen sich Werke per Augmented Reality maßstabsgetreu an der eigenen Wand platzieren, bevor man sich entscheidet. Die Werke dazu finden Sie in der digitalen Galerie.
Wer ganz sicher gehen möchte, kann ein Bild auch zur Probe hängen: Für einen kleinen Aufpreis kommt das Original für einige Zeit zu Ihnen. Entscheiden Sie sich für den Kauf, wird der Betrag vollständig verrechnet. Gerade bei Werken mit Blattgold ist das der verlässlichste Test, denn kein Bildschirm zeigt, wie Gold auf das eigene Abendlicht antwortet.
7. Licht und Pflege: damit ein Bild bleibt, wie es ist
Licht macht Bilder sichtbar und lässt sie zugleich altern. In Museen orientiert man sich an Richtwerten: Für Öl- und vergleichbare Gemälde gelten etwa 200 Lux als angemessene Beleuchtungsstärke, für sehr empfindliche Arbeiten auf Papier deutlich weniger. Ultraviolettes Licht trägt zur Schädigung bei, ohne zur Sichtbarkeit etwas beizutragen, und sollte so gering wie möglich sein. Für Zuhause heißt das ganz praktisch:
- Keine direkte Mittagssonne auf die Bildfläche. Ein Platz mit indirektem Tageslicht ist besser als die Wand gegenüber dem Südfenster.
- LED-Strahler mit warmer Lichtfarbe erzeugen kaum UV-Strahlung und kaum Wärme. Halogenstrahler aus kurzer Distanz trocknen dagegen aus.
- Keine Heizkörper und Kamine direkt unter dem Bild. Schnelle Temperatur- und Feuchtewechsel belasten Leinwand und Farbschichten.
Gepflegt wird ein Gemälde mit Zurückhaltung. Staub nimmt man mit einem weichen, trockenen Pinsel oder einem sauberen Staubwedel ab. Wasser, Glasreiniger und Mikrofasertücher mit Druck haben auf einer Malfläche nichts verloren. Bei Blattgold gilt das doppelt: Das Metall ist hauchdünn. Echtes 24-Karat-Gold oxidiert nicht, kann aber durch Reibung verletzt werden. Wenn ein Werk beschädigt ist, ist der erste Anruf der bei der Künstlerin oder einer Restauratorin, nicht der Griff zum Reinigungsmittel.
8. Steuer, Rechte, Weiterverkauf: die nüchternen Fragen
Über Geld und Recht spricht man beim Kunstkauf ungern. Dabei schaffen ein paar Grundlagen Klarheit. (Dieser Abschnitt ist eine allgemeine Orientierung und keine Rechts- oder Steuerberatung.)
Mehrwertsteuer
Für die Lieferung von Kunstgegenständen wie Gemälden gilt in Deutschland der ermäßigte Steuersatz von 7 Prozent. Bis Ende 2024 galt das nur, wenn die Künstlerin oder der Künstler selbst verkaufte; Galerien und Händler mussten in vielen Fällen 19 Prozent oder die Differenzbesteuerung anwenden. Mit dem Jahressteuergesetz 2024 ist diese Einschränkung zum 1. Januar 2025 entfallen. Seitdem gilt der ermäßigte Satz allgemein über § 12 Abs. 2 Nr. 1 UStG in Verbindung mit Nr. 53 der Anlage 2, unabhängig davon, wer verkauft.
Eigentum ist nicht Urheberrecht
Wer ein Original kauft, erwirbt das Eigentum an diesem einen Gegenstand. Das Urheberrecht bleibt bei der Künstlerin. Das Urheberrechtsgesetz formuliert es in § 44 deutlich: Mit dem Verkauf des Originals räumt die Urheberin im Zweifel kein Nutzungsrecht ein. Der Eigentümer darf das Werk aber öffentlich ausstellen, etwa in einem Hotelfoyer oder einer Kanzlei, sofern das beim Verkauf nicht ausdrücklich ausgeschlossen wurde. Wer das Bild für Drucke, Werbung oder Produkte nutzen möchte, spricht vorher mit der Künstlerin.
Folgerecht beim Weiterverkauf
Wird ein Original später über eine Galerie, einen Händler oder ein Auktionshaus weiterverkauft, steht der Künstlerin ein kleiner Anteil am Erlös zu. Dieses Folgerecht regelt § 26 UrhG. Es greift ab einem Verkaufspreis von 400 Euro und beträgt gestaffelt 4 Prozent für den Teil bis 50.000 Euro, danach weniger, insgesamt höchstens 12.500 Euro pro Verkauf. Zahlen muss der Verkäufer. Ein reiner Privatverkauf ohne Beteiligung des Kunsthandels fällt nicht darunter.
Versicherung
Ein Original ist in der Hausratversicherung nicht automatisch angemessen abgedeckt. Viele Policen haben Entschädigungsgrenzen für Wertsachen. Prüfen Sie, ob der Wert des Werkes darunter fällt, oder fragen Sie nach einer Kunstversicherung. Rechnung, Zertifikat und Foto sind dafür die Grundlage.
9. Kaufen in Hamburg: Galerie, Messe oder Atelier?
In Hamburg gibt es viele Wege zur Kunst. Galerien bieten Auswahl und Beratung, Kunstmessen den Vergleich. Der persönlichste Weg führt ins Atelier. Dort sehen Sie Werke, die gerade entstehen, sprechen direkt mit der Künstlerin und verstehen, was hinter einem Bild steht.
Das Atelier von Juliane Golbs in Hamburg öffnet nach Vereinbarung. Ein Besuch ist unverbindlich. Wer das Werk lieber an einem öffentlichen Ort sehen möchte, findet Arbeiten im Hotel Louis C. Jacob an der Elbchaussee, wo die Künstlerin seit 2025 Artist in Residence ist. Mehr über die Künstlerin lesen Sie im Beitrag Künstlerin in Hamburg.

10. Lieferung und Hängung
Ein Original reist anders als ein Paket. Auf kurzen Wegen ist die persönliche Übergabe die schonendste Lösung, für weitere braucht es eine stabile Verpackung, bei großen Formaten einen Kunsttransport. Fragen Sie vor dem Kauf, wie das Bild zu Ihnen kommt und wer das Risiko unterwegs trägt.
Bei der Hängung lohnt sich Sorgfalt. Ein großformatiges Werk gehört an zwei Haken oder an eine Galerieschiene, nicht an einen einzelnen Nagel. Die Wand muss das Gewicht tragen, bei Trockenbau braucht es passende Dübel. Lassen Sie sich Zeit mit der Position: Halten Sie das Bild zu zweit an die Wand, treten Sie zurück, markieren Sie erst dann.
11. Wenn das passende Bild noch nicht existiert
Manchmal sucht man für einen bestimmten Raum ein Werk, das es noch nicht gibt. Dann ist eine Auftragsarbeit der richtige Weg. Wie sie entsteht, beschreibt der Beitrag Auftragsarbeit: wie ein Unikat für Ihren Raum entsteht.
Ein letzter Gedanke
Wer Kunst kauft, geht eine Beziehung zu einem Werk ein. Ein gutes Bild wächst mit der Zeit. Man entdeckt nach Jahren noch Details, die man nie bemerkt hatte. Wählen Sie deshalb das Bild, mit dem Sie leben möchten, und lassen Sie sich die Zeit, die diese Entscheidung verdient.
Die Preise der Werke nennt das Atelier auf Anfrage. Für eine Anfrage zu einem bestimmten Werk, zum Probehängen oder für einen privaten Termin im Atelier steht das Kontaktformular offen.
Werke zum Beitrag
Häufige Fragen
Woran erkenne ich ein Original?
An der Signatur, an einem Echtheitszertifikat mit Titel, Maßen, Material und Entstehungsjahr und an der sichtbaren Handarbeit. Bei Juliane Golbs ist jedes Werk ein handsigniertes Unikat.
Wo kann ich in Hamburg abstrakte Kunst kaufen?
In Galerien, auf Kunstmessen und direkt bei Künstlerinnen und Künstlern. Bei Juliane Golbs geschieht der Erwerb direkt über das Atelier in Hamburg, nach Vereinbarung auch mit privatem Besuch.
Kann ich ein Bild vor dem Kauf im eigenen Raum sehen?
Ja. Mit der App von Juliane Golbs lassen sich Werke per Augmented Reality maßstabsgetreu an der eigenen Wand platzieren. Außerdem kann ein Original gegen einen kleinen Aufpreis zur Probe gehängt werden; beim Kauf wird der Betrag verrechnet.
Wie viel Mehrwertsteuer fällt beim Kauf eines Gemäldes an?
In Deutschland gilt für die Lieferung von Kunstgegenständen wie Gemälden seit dem 1. Januar 2025 allgemein der ermäßigte Steuersatz von 7 Prozent, auch beim Kauf über Galerien. Zuvor galt er nur, wenn die Künstlerin oder der Künstler selbst verkaufte.
Darf ich ein gekauftes Bild fotografieren und veröffentlichen?
Mit dem Original erwerben Sie das Eigentum am Werk, nicht das Urheberrecht. Ausstellen dürfen Sie es in der Regel; für Reproduktionen, etwa Drucke oder Werbung, braucht es die Zustimmung der Künstlerin.
Quellen
6 Quellen
- Bayerisches Landesamt für Steuern: Ermäßigter Steuersatz für Kunstgegenstände ab 1. Januar 2025 (14.01.2025)
- Bundesregierung: Ermäßigter Steuersatz für Kunsthandel kommt ab 2025
- Urheberrechtsgesetz § 26: Folgerecht
- Urheberrechtsgesetz § 44: Veräußerung des Originals
- Conservation Wiki (American Institute for Conservation): Light
- Genkin: How to Hang and Arrange Artwork at Home (145-cm-Regel)






