Artist-in-Residence im Louis C. Jacob: Kunst an der Elbchaussee
Wo einst Max Liebermann die Gäste unter den Linden malte, arbeitet heute wieder eine Malerin. Über eine Verbindung, die als offener Dialog angelegt ist.

Das Louis C. Jacob an der Elbchaussee ist ein Hotel mit langer Geschichte, einer Terrasse über der Elbe und einer Verbindung zur Kunst, die über ein Jahrhundert zurückreicht. Seit 2025 wird diese Verbindung fortgeschrieben: Die Hamburger Malerin Juliane Golbs ist dort Artist-in-Residence.
Ein Haus, das 1791 als Weinstube begann
Die Geschichte des Hauses beginnt mit einer Flucht. Daniel Louis Jaques, ein Landschaftsgärtner, verließ Frankreich in den Jahren der Revolution und kam nach Nienstedten an der Elbe. Er heiratete die Witwe des Konditors Burmester, die das Geschäft ihres Mannes nach dessen Tod weitergeführt hatte, und nahm den Namen Jacob an. Am 1. Juli 1791 eröffnete er an der Elbe eine Weinstube. 1802 erhielt er die Konzession für ein Restaurant.
Über vier Generationen blieb das Haus in der Familie. 1826 übernahm Carl Louis Jacob, 1866 Louis Carl Jacob, 1895 Heinrich Louis Jacob. Erst 1922, nach dem Tod von Louis Heinrich Jacob, ging das Haus an den Gastronomen Albert Nibbes. Später folgten weitere Pächter, bis 1993 die Familie Rahe das Hotel übernahm und es in mehrjähriger Arbeit restaurierte. Dabei kamen ein historischer Eiskeller und verborgene Wandmalereien zum Vorschein. 1996 wurde die Wiedereröffnung gefeiert.
Dazwischen liegen viele Umbauten, die man dem Haus heute kaum ansieht. 1870 entstand der Eiskeller, in dem einst das Eis aus dem Winter für die Sommermonate lagerte. Zur gleichen Zeit kamen die ersten Gästezimmer hinzu, und anstelle der Pferdeställe wurde ein Ballsaal gebaut. 1902, im selben Jahr, in dem Liebermann hier malte, wurde das Haus entkernt und erneuert. Nach dem Zweiten Weltkrieg öffnete das Hotel 1949 wieder. Am 3. April 1971 folgte nach einem weiteren Umbau die nächste Wiedereröffnung, mit einem holzgetäfelten Restaurant und 350 statt bisher 260 Plätzen.
Wer heute durch die Flure geht, bewegt sich also durch mehrere Epochen zugleich: das Gasthaus des späten 18. Jahrhunderts, den Ausflugsort der Kaiserzeit, das Nachkriegshotel und das restaurierte Haus der Familie Rahe. Der Eiskeller und der Ballsaal sind bis heute erhalten und wurden zum Jubiläum 2026 bei Führungen geöffnet.
Seit dem 22. Juli 2025 gehört das Louis C. Jacob zur Autograph Collection von Marriott. Im Jahr 2026 feierte es sein 235-jähriges Bestehen.
Die Lindenterrasse
Den Garten über der Elbe soll Daniel Louis Jacob bereits 1791 angelegt haben, und mit ihm die Lindenterrasse. Wer heute dort sitzt, schaut durch beschnittene Linden auf den Fluss und die Schiffe, die nach Hamburg hinein- oder hinausfahren. Seit 1956 steht das Gebäude mitsamt Terrasse unter Denkmalschutz.
Ganz unverändert hat die Terrasse die Zeit nicht überstanden. 1970 wurden sieben Linden für einen neuen Restaurantbau gefällt. Die Anlage selbst blieb erhalten, und mit ihr der Blick, der das Haus berühmt gemacht hat.
Max Liebermann an der Elbe
1902 wohnte Max Liebermann einige Wochen im Haus und malte die Lindenterrasse. Es ist eines der bekanntesten Bilder des deutschen Impressionismus aus Hamburg: Gäste an weiß gedeckten Tischen, das Sonnenlicht, das in Flecken durch das Laub fällt, dahinter die Elbe. Das Gemälde „Die Terrasse des Restaurants Jacob in Nienstedten an der Elbe“ gehört zur Sammlung der Hamburger Kunsthalle. Laut Hotel hängt ein weiteres Bild Liebermanns von diesem Aufenthalt, ein Elbblick, heute im Haus selbst. Die Familie Rahe hat es 1995 erworben.
Liebermann malte nicht die Elbe als Landschaft, sondern das Leben auf der Terrasse und vor allem das Licht. Die Flecken auf Tischtüchern und Kies sind das eigentliche Thema des Bildes. Genau hier liegt die Brücke zur Gegenwart. Auch Juliane Golbs interessiert das Licht an der Elbe, das ständig wechselt und Farben je nach Stunde anders erscheinen lässt.
Zum Jubiläumsfest im Juli 2026 sprach Dr. Markus Bertsch, Kurator an der Hamburger Kunsthalle, im Hotel über Liebermanns Beziehung zu Hamburg und zum Jacob. Das Erbe des Malers ist für das Haus kein Zitat aus der Vergangenheit, sondern ein Teil seiner Identität.
Was Artist-in-Residence hier bedeutet
Am 29. September 2025 kündigte das Louis C. Jacob eine langfristige Kooperation mit Juliane Golbs an. Das Haus will damit, so die Mitteilung, sein künstlerisches Profil schärfen und sich zu einem „Ort gelebter Kunst“ entwickeln. Juliane Golbs arbeitet regelmäßig im Hotel. Sie malt, skizziert und beobachtet. Das Haus wird zugleich Atelier, Motiv und Ausstellungsort.

Geplant sind unter anderem:
- Ausstellungen von Werken der Künstlerin im Hotel,
- Malkurse für Gäste und Kunstinteressierte,
- eine Kunst- und Kulinarik-Gala im Jubiläumsjahr 2026,
- Originale, Kunstdrucke und Postkarten, die im Hotel gezeigt und angeboten werden,
- und perspektivisch ein gemeinsames Buch, das Gemälde und Skizzen der Künstlerin mit der Geschichte des Hauses verbindet.
Laut Pressemitteilung waren außerdem Partnerschaften mit der Hamburger Kunsthalle und mit Montblanc im Gespräch.
Hoteldirektorin Judith Fuchs-Eckhoff beschreibt die Zusammenarbeit nicht als befristetes Projekt, sondern als Dialog auf Augenhöhe, der gerade erst beginnt. Kunst soll im Haus nicht nur an der Wand hängen, sondern sichtbar und lebendig Teil des Alltags werden.
Die Künstlerin und der Ort
Für Juliane Golbs hat der Ort eine persönliche Bedeutung. Sie hat erzählt, dass sie beim ersten Besuch das Gefühl hatte, hier beginne ein Teil ihres Weges. Die Terrasse verbinde für sie Vergangenheit und Gegenwart. Sie knüpft bewusst an das künstlerische Erbe des Hauses an. Der Ort, sagt sie, „ruft geradezu nach Kunst“.
Das ist mehr als eine schöne Formulierung. Juliane Golbs ist in Schwerin geboren und lebt seit ihrem 18. Lebensjahr in Hamburg. Die Elbe ist für sie keine Kulisse, sondern Teil ihres Alltags. Dass eine Wahlhamburgerin an der Stelle arbeitet, an der Liebermann vor mehr als hundert Jahren das Hamburger Licht festhielt, gibt der Verbindung eine eigene Logik.

Ihre Malerei, oft mit 24-Karat-Blattgold vollendet, passt zu diesem Licht. Auf der Terrasse, wenn die Sonne tief über dem Fluss steht, sieht man, warum Gold in ihren Bildern so selbstverständlich wirkt. Es nimmt das Licht der Umgebung auf und gibt es verändert zurück. Wie diese Technik funktioniert, erklärt der Beitrag Blattgold in der Malerei.
Skizze und Bild
Wer Juliane Golbs im Jacob begegnet, sieht sie oft nicht vor der großen Leinwand, sondern mit Skizzenbuch und Aquarellkasten. Das hat mit dem Ort zu tun. Ein Hotel ist kein Atelier mit Platz für Großformate und Farbeimer. Es ist ein Ort der Beobachtung: Gäste, die ankommen, Kellner, die Tische eindecken, Schiffe auf der Elbe, Linden im Wechsel der Jahreszeiten.
Aus solchen Beobachtungen entsteht Material. Manches bleibt Skizze, manches findet später im Atelier seinen Weg in ein Gemälde. Das geplante gemeinsame Buch soll genau diese Ebene zeigen: Gemälde und Skizzen neben der Geschichte des Hauses. Damit entsteht eine Art Chronik in Bildern, die an Liebermanns Aufenthalt anknüpft, ohne ihn zu kopieren.
Kunst als Teil der Gastfreundschaft
Hotels haben schon immer Kunst gesammelt. Neu ist die Idee, dass eine Künstlerin im Haus arbeitet und Gäste an der Entstehung teilhaben lässt. Wer im Louis C. Jacob übernachtet oder auf der Terrasse zu Mittag isst, kann zusehen, wie ein Bild entsteht. In den Malkursen kann man es selbst versuchen.
Für Juliane Golbs ist diese Form des Dialogs vertraut. Ob mit WERNS in Venedig, mit Roborock auf der IFA oder mit Maison Laurette in Deauville: Ihre Kunst sucht den Austausch mit Häusern, die Qualität verkörpern. Im Louis C. Jacob ist dieser Austausch auf Dauer angelegt, nicht auf eine Messe oder einen Abend begrenzt. Das macht ihn besonders. Alle Partnerschaften finden Sie auf der Seite Dialoge.
Ein Haus voller Geschichten
Das Louis C. Jacob hat viele Gäste gesehen. 2009 heiratete Robert Redford hier, im Oktober 2023 tagte im Haus der deutsch-französische Ministerrat. Solche Momente gehören zur Geschichte des Hotels, ebenso wie die Gäste, die Liebermann 1902 auf seiner Leinwand festhielt, ohne dass wir ihre Namen kennen.
Auch das Jubiläum selbst stand im Zeichen der Kultur. Beim Fest am 5. Juli 2026 öffnete das Haus seine historischen Räume, ein Programmpunkt stellte den Gründer Daniel Louis Jacob vor, und auf der Lindenterrasse fand eine Versteigerung zugunsten der Konzertformate des Liedstadtfestivals statt. Kultur ist hier kein Beiwerk zur Gastronomie, sondern gehört seit langem zum Selbstverständnis.
Kunst gibt einem solchen Haus eine zusätzliche Erzählebene. Sie hält fest, was sonst vorbeigeht: das Licht eines bestimmten Nachmittags, eine Stimmung auf der Terrasse, eine Geste. Liebermann hat das 1902 getan. Juliane Golbs setzt es mit ihren Mitteln fort, mit Farbe, Linie und Gold.
Besuchen und erleben
Wer die Werke von Juliane Golbs in einem besonderen Rahmen sehen möchte, findet im Louis C. Jacob einen der schönsten Orte dafür. Termine zu Ausstellungen und Malkursen geben das Hotel und die Künstlerin bekannt. Mehr über Kunst und Ateliers in der Stadt lesen Sie im Beitrag Künstler in Hamburg. Für einen privaten Termin im Atelier steht das Kontaktformular offen.
Werke zum Beitrag
Häufige Fragen
Seit wann ist Juliane Golbs Artist-in-Residence im Louis C. Jacob?
Die langfristige Kooperation wurde im September 2025 angekündigt. Sie hat kein festes Enddatum und ist als offener Dialog zwischen Hotel und Künstlerin angelegt.
Was hat Max Liebermann mit dem Louis C. Jacob zu tun?
Max Liebermann wohnte 1902 einige Wochen im Haus und malte die Lindenterrasse mit Blick auf die Elbe. Sein Gemälde „Die Terrasse des Restaurants Jacob in Nienstedten an der Elbe“ gehört heute der Hamburger Kunsthalle.
Kann man Juliane Golbs im Louis C. Jacob erleben?
Ja. Geplant sind Ausstellungen, Malkurse für Gäste und Kunstinteressierte sowie Originale, Kunstdrucke und Postkarten im Hotel. Termine geben das Hotel und die Künstlerin bekannt.




