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Künstler in Hamburg: Licht, Wasser und die Malerei einer Hafenstadt

Hamburg ist keine laute Kunststadt. Aber sie ist eine Stadt des Lichts – und dieses Licht hat Künstler über Generationen geprägt, von Liebermann bis in die Gegenwart.

Juliane Golbs auf der Lindenterrasse des Louis C. Jacob mit Blick über die Elbe in Hamburg

Wenn von großen Kunststädten die Rede ist, fallen zuerst Paris, Venedig oder Berlin. Hamburg wird seltener genannt. Dabei hat die Stadt etwas, das für Malerei entscheidend ist: ein Licht, das sich über Elbe und Alster ständig verändert, und eine Bürgerschaft, die Kunst seit zweihundert Jahren sammelt, stiftet und ausstellt.

Eine Stadt, die Künstler leise prägt

Die Kunstgeschichte der Hansestadt wurde nicht von einem Hof getragen, sondern von Kaufleuten, Sammlern und Vereinen. Schon 1817 trafen sich Hamburger Kunstfreunde im Haus von David Christopher Mettlerkamp; daraus wurde der Kunstverein in Hamburg, nach Nürnberg der zweitälteste in Deutschland. Seit 1993 sitzt er am Klosterwall, in einer umgebauten Markthalle, nur wenige Schritte von den Deichtorhallen entfernt.

Die Hamburger Kunsthalle gehört zu den bedeutendsten Museen des Landes, die Deichtorhallen zählen zu den großen Ausstellungshäusern für zeitgenössische Kunst und Fotografie in Europa. Dazu kommen Galerien, Ateliers und Projekträume zwischen Altona, Eppendorf und dem Hafen.

Mindestens so prägend wie die Institutionen ist die hanseatische Zurückhaltung. Qualität wird in Hamburg selten laut angekündigt. Man setzt sie voraus. Wer in Hamburg als Malerin oder Maler bestehen will, braucht Substanz, und zwar eine, die auch nach dem zweiten und dritten Hinsehen trägt.

Das Licht der Elbe: von Liebermann bis heute

1902 malte Max Liebermann an der Elbchaussee die Lindenterrasse des damaligen Restaurants Jacob: Gäste unter Lindenbäumen, durch deren Blätter das Sonnenlicht fällt. Das Gemälde „Die Terrasse des Restaurants Jacob in Nienstedten an der Elbe“ gehört zur Sammlung der Hamburger Kunsthalle und zeigt, wie sehr das Licht an der Elbe die Malerei des Impressionismus angezogen hat.

Was Liebermann dort interessierte, war weniger die Gesellschaft als das Flimmern: Licht, das durch Blätter fällt, auf Tischtüchern liegt und Gesichter streift. Es ist ein Licht, das sich keine Minute gleich bleibt. An der Elbe kommt das Wasser hinzu, das es zurückwirft und streut. Wer hier malt, malt immer auch Wetter.

Über hundert Jahre später arbeitet auf derselben Terrasse wieder eine Künstlerin: Juliane Golbs ist seit 2025 Artist-in-Residence im Hotel Louis C. Jacob. Sie greift das Erbe des Ortes bewusst auf und übersetzt es in eine zeitgenössische Sprache. Die ganze Geschichte erzählt der Beitrag Artist-in-Residence im Louis C. Jacob.

Die Hamburgische Sezession: Moderne mit hanseatischem Mut

Ein Kapitel der Hamburger Kunstgeschichte wird außerhalb der Stadt oft übersehen. Am 14. Dezember 1919 eröffnete in der Hamburger Kunsthalle die erste Ausstellung der Hamburgischen Sezession. Die Vereinigung war interdisziplinär angelegt: Malerinnen und Maler, Bildhauer, Architekten und Schriftsteller gehörten dazu, insgesamt rund 55 Mitglieder. Zu ihnen zählten Anita Rée, Alma del Banco, Gretchen Wohlwill, Dorothea Maetzel-Johannsen, Karl Ballmer, Rolf Nesch, Eduard Bargheer und Karl Kluth.

Die Sezession brachte die Moderne nach Hamburg, mit Festen, Ausstellungen und einer Offenheit, die über die Malerei hinausreichte. Bemerkenswert ist, wie selbstverständlich Malerinnen in ihr vertreten waren.

Ihr Ende ist ein Lehrstück über Haltung. Im März 1933 wurde die letzte Ausstellung auf Anordnung aus Berlin geschlossen. Kurz darauf forderte man die Mitglieder auf, ihre jüdischen Kolleginnen und Kollegen auszuschließen. Sie weigerten sich und lösten die Vereinigung am 16. Mai 1933 selbst auf. Zum hundertjährigen Jubiläum zeigte die Hamburger Kunsthalle 2019/20 Werke von 40 Mitgliedern im Dialog mit ihrer Sammlung der Klassischen Moderne.

Für die Malerei in Hamburg ist dieses Erbe bis heute spürbar: der Anspruch, eigenständig zu bleiben, Farbe ernst zu nehmen und Schönheit nicht mit Gefälligkeit zu verwechseln.

Die Kunstmeile: sechs Häuser auf einem Spaziergang

Wer Hamburgs Kunst an einem Tag erleben will, findet sie erstaunlich nah beieinander. Zwischen Hauptbahnhof und Oberhafen haben sich sechs Häuser zur Kunstmeile zusammengeschlossen: die Hamburger Kunsthalle, das Bucerius Kunst Forum, das Museum für Kunst und Gewerbe, das Kunsthaus Hamburg, der Kunstverein in Hamburg und die Deichtorhallen.

Die Deichtorhallen allein bieten rund 10.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche, verteilt auf die Halle für aktuelle Kunst, das Haus der Photographie und die Sammlung Falckenberg. Die denkmalgeschützten Hallen liegen am Wasser, mit Blick in Richtung Speicherstadt und HafenCity. Man verlässt eine Ausstellung und steht wieder im Hafenlicht, das so viele Maler beschäftigt hat.

Auf diesem Weg lässt sich die Hamburger Kunstgeschichte fast chronologisch abgehen: Alte Meister und Liebermann in der Kunsthalle, Gestaltung und Kunsthandwerk im Museum für Kunst und Gewerbe, das Zeitgenössische in Kunstverein, Kunsthaus und Deichtorhallen. Was dabei auffällt, ist die Ruhe. Selbst an vollen Wochenenden wirkt Hamburgs Kunstbetrieb gelassener als der anderer Metropolen.

Zeitgenössische Malerei in Hamburg

Die Hamburger Kunstszene ist heute vielstimmig. Es gibt Street Art und Konzeptkunst, Fotografie, Installation und Malerei in allen Spielarten. Innerhalb dieser Vielfalt hat die Malerei eine besondere Stellung behalten: als Kunstform, die Zeit braucht und die mit den Menschen in ihren Räumen lebt.

Juliane Golbs steht für eine Malerei, die sich bewusst dem Schönen zuwendet. Geboren in Schwerin, kam sie mit 18 Jahren nach Hamburg und ist geblieben, eine Wahlhamburgerin im besten Sinn. Ihre Werke verbinden romantische Motive mit expressiver Linie, Pastell mit kräftiger Farbe und vor allem: Farbe mit Gold. 24-Karat-Blattgold wird in ihren Bildern zum Lichtträger, der mit dem Tag atmet. Wie das funktioniert, beschreibt der Beitrag Blattgold in der Malerei.

Drei runde Werke von Juliane Golbs mit Blüten auf goldenem Grund über einem Holzsideboard
Drei runde Formate mit Blüten auf goldenem Grund, als Ansicht im Raum. Gold und Farbe teilen sich die Fläche.

Hamburg selbst taucht in ihrem Werk auf, manchmal sehr direkt. Im Werkverzeichnis steht ein Bild mit dem Titel „Golden Elbphi“ aus dem Jahr 2019. Der Titel verweist auf die Elbphilharmonie; das Werk ist inzwischen verkauft. Häufiger ist der Bezug indirekter: das wechselnde Licht, die Nähe zum Wasser, ein Blau, das an den Himmel über der Elbe erinnert.

Was Hamburger Malerei heute auszeichnet

Es wäre zu einfach, von einem Hamburger Stil zu sprechen. Und doch gibt es Gemeinsamkeiten, die vielen Künstlern dieser Stadt eigen sind:

  • Ein Gespür für Atmosphäre. Wasser, Wolken und wechselndes Licht schärfen den Blick für Stimmung statt für Motiv.
  • Weltoffenheit. Als Hafenstadt war Hamburg immer ein Ort des Austauschs. Viele Künstler arbeiten international und kehren hierher zurück.
  • Verbindung zu Wirtschaft und Gesellschaft. Hamburger Kunst entsteht oft im Dialog mit Unternehmen, Stiftungen und Häusern der Stadt, eine Tradition, die bis zu den Bürgern reicht, die 1817 den Kunstverein gründeten.

Bei Juliane Golbs lässt sich das gut beobachten: Ihre Arbeiten entstehen im Hamburger Atelier, werden aber in Venedig, Berlin und Deauville gezeigt. Im Dezember 2021 stellte sie in der Barlach Halle K aus, 2026 war sie beim Elbjazz-Festival zu erleben. Ihr Engagement für die in Hamburg ansässige NCL-Stiftung verbindet Kunst mit Verantwortung.

Malerei, die mit dem Raum lebt

Ein Gemälde in einem Museum begegnet man für Minuten. Ein Gemälde zu Hause begegnet man jahrelang, morgens im Vorbeigehen, abends bei Kunstlicht, im Winter und im Sommer. Hamburger Wohnungen mit ihren hohen Altbaudecken, Stuck und großen Fenstern sind dafür ein dankbarer Rahmen. Großformatige Malerei kann hier atmen.

Großformatiges florales Gemälde von Juliane Golbs in Grün und Rosa über einem Sideboard in einem hellen Eingangsbereich
Ein großes florales Werk im Eingangsbereich, Ansicht im Raum. Grün, Rosa und Weiß tragen das Bild, das Licht der Tür fällt seitlich ein.

Gerade florale, farbintensive Werke verändern einen Raum stärker als man erwartet. Ein Flur wird zum Ort, an dem man stehen bleibt. Ein Esszimmer bekommt eine Mitte. Wer unsicher ist, wie ein Werk im eigenen Licht wirkt, kann es im Atelier von Juliane Golbs probehängen lassen: gegen einen kleinen Aufpreis, der beim Kauf verrechnet wird. Mehr dazu im Leitfaden Abstrakte Kunst kaufen in Hamburg.

Künstler in Hamburg entdecken

Wer Künstlerinnen und Künstler in Hamburg kennenlernen möchte, hat viele Wege:

  1. Museen und Ausstellungshäuser. Die Kunsthalle für den großen Bogen von den Alten Meistern über Liebermann und die Sezession bis in die Gegenwart, die Deichtorhallen für das Zeitgenössische.
  2. Kunstvereine und Projekträume. Der Kunstverein am Klosterwall zeigt seit über zweihundert Jahren, was in der Kunst gerade verhandelt wird.
  3. Galerien. In der Innenstadt und in den Stadtteilen, oft mit Schwerpunkten, die sich lohnen kennenzulernen.
  4. Das Atelier. Der persönlichste Weg. Dort sieht man fertige Werke und versteht zugleich, wie sie entstehen.

Das Atelier von Juliane Golbs öffnet nach Vereinbarung. Im Gespräch dort geht es um Material, Licht und die Frage, welches Werk zu welchem Raum passt. Einen Eindruck vom Atelier gibt die Seite Studio. Wer sich für die Künstlerin selbst interessiert, liest das Porträt von Juliane Golbs oder den Beitrag über Kunst einer Hamburger Künstlerin.

Aus dem Werkverzeichnis

Werke zum Beitrag

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Häufige Fragen

Welche Rolle spielte die Hamburgische Sezession?

Die Hamburgische Sezession war eine Künstlervereinigung, deren erste Ausstellung am 14. Dezember 1919 in der Hamburger Kunsthalle eröffnete. Sie prägte die Moderne in der Stadt, bis sie sich am 16. Mai 1933 unter dem Druck der Nationalsozialisten selbst auflöste, statt ihre jüdischen Mitglieder auszuschließen.

Wo sieht man in Hamburg zeitgenössische Malerei?

In der Hamburger Kunsthalle, in den Deichtorhallen, im Kunstverein in Hamburg am Klosterwall, in Galerien und offenen Ateliers. Das Atelier von Juliane Golbs öffnet nach Vereinbarung.

Quellen

6 Quellen
  1. hogapage: Hotel Louis C. Jacob feiert 235. Geburtstag
  2. Tageskarte: Louis C. Jacob startet langfristige Kunst-Kooperation mit Juliane Golbs (29.09.2025)
  3. Hamburger Kunsthalle: 100 Jahre Hamburgische Sezession (Ausstellung 2019/20)
  4. Wikipedia: Hamburgische Sezession
  5. Wikipedia: Kunstverein in Hamburg
  6. Kunstmeile Hamburg: Deichtorhallen Hamburg